Costa Rica`s KĂĽsten und ein Ausflug nach Panama
Reisebericht ĂĽber eine Fahrradtour durch Costa Rica. Entlang der Pazifischen
und der Karibischen KĂĽste. Mit einem Ausflug nach Bocas del Toro (Panama),
Panama City und dem Panama Kanal. Ăśber die Interamericana zurĂĽck nach Costa
Rica.
Wim Leeuw
Donnerstag, 25. Dezember 2003 | -
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Vielen Dank fĂĽr den Tip. Tausendmal bedanke ich mich bei dem Personal von
Schiphol für den Hinweis:” Bitte vergessen Sie nicht die Luft aus den Reifen
zu lassen.” Im Gepäckraum des Flugzeuges gibt es Unterdruck, dadurch können
die Reifen platzen. Trotzdem vergessen wir in der Hektik des Einscheckens
die Luft aus den Reifen zu lassen. Zigmal haben wir daran gedacht , jetzt
nicht, abwarten.
Auf Schiphol werden uns von Martin Air wegen Ăśberbuchung des Fluges 300
Dollar geboten, wenn wir 4 Stunden später mit KLM über Mexiko nach San Jose
fliegen. In Mexiko muss man mit allem Gepäck wieder neu einschecken und
wahrscheinlich sind wir erst mitten in der Nacht in San Jose. Die Verlockung
ist gross, doch wir tun es nicht.
Freitag, 26. Dezember 2003 | -
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Die Fahrräder kommen unversehrt mit vollen Reifen aus dem Flugzeug. Also ist
es doch nicht nötig die Luft aus den Reifen zu lassen. Auf dem Flughafen von
San Jose werden wir bereits erwartet. Da steht ein Mann mit einem Schild
“Wim Leeuw”, endlich ein Transfer vom Flughafen zum ersten Hotel, übers
Internet gebucht, der auch klappt.
Das Aus- und Einschecken in Miami ist eine Katastrophe. Wir fliegen mit dem
selben Flugzeug weiter, trotzdem müssen wir erst in die USA “einreisen”.
Dieses geschieht bei Sicherheitsstufe Orange natĂĽrlich sehr genau, sodass es
an 25 Einreiseschaltern endlose Warteschlangen gibt. Danach werden wir
gruppenweise durch den Flughafen geschleust und beim Ausscheckschalter
abgeliefert. Hier mĂĽssen wir auch die Schuhe ausziehen. Das Flugzeug
verlässt Miami mit mindestens einer Stunde Verspätung.
Als wir bei unserem Bed & Breakfast hoch in den HĂĽgeln bei Atenas ankommen
ist es bereits dunkel. Wir trinken noch ein Bier auf der Terasse mit
wahrscheinlich fantastischer Aussicht auf die Umgebung. Unter dem
Sternenhimmel stellt sich schon ein Teil der Tierwelt vor, ein 15 cm langer,
sich bewegender Zweig, eine 2 cm dicke Spinne und ein 10 cm langer
TausendfĂĽssler.
Von Weihnachten bemerkt man hier fast nichts, ausser dass die Costaricaner
in Bezug auf die Weihnachts-beleuchtung den Amerikanern nicht viel
nachstehen.
Samstag, 27. Dezember 2003 | Atenas – Boca de Bararanca ( bei Punteneras)(53 km)
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Für die ersten 6 Kilometer benötigen wir bereits 1 Stunde. Ständig
mĂĽssen wir das Rad schieben, da der Weg viel zu steil fĂĽr uns ist. Um 6.30
Uhr erst auf den Rädern zu sitzen, ist zu spät. Es ist jetzt schon heiss.
Nach einer Stunde geht es glĂĽcklicherweise bergab Richtung Pazifischem Ozean.
Abundzu bergauf, doch es geht gut vorwärts. Eine wunderschöne Landschaft
stellt sich uns dar, die Regenzeit ist an dieser Seite Costa Rica`s gerade
vorbei, sodass alles grün ist. Gummibäume und Yucca`s bilden die Grenzen
zwischen den Weiden und GrundstĂĽcken. Unterwegs kommen wir, wie kann es auch
anders sein , 2 radelnden Niederländern entgegen. Sie haben in 3 Wochen
einen grossen Teil unserer geplanten Route in entgegengesetzter Richtung
gefahren. Vor 2 Tagen haben sie hier ein Erdbeben erlebt. Jeder ist wohl
panisch aus dem Hotel auf die Strasse geflohen. Costa Rica hat noch eine
Reihe aktiver Vulkane, so soll das wohl häufiger vorkommen.
Sonntag, 28. Dezember 2003 | Boca de Barranca - Montezuma ( 64 km)
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Wir haben GlĂĽck, als wir um 6.30 Uhr in Puntarenas ankommen liegt
bereits die Fähre starbereit im Hafen. 1 ½ Stunden dauert die Fahrt zur
Halbinsel Nicoya, wir können herrlich in der aufgehenden Sonne sitzen. (Später
hörten wir dass es auch ein Touristenboot von Tarcoles nach Montezuma gibt,
40 $ pro Person).
Gleich nach der Ankunft gibt es kurze, gemeine Anstiege. Dann hört die
asphaltierte Strasse auf, aber die HĂĽgelchen nicht. Es ist schwer das Rad
mit Gepäck auf dem Geröllweg bergauf vorwärts zu bekommen. Steil. Noch nie
bin ich mit einem Rad einen Berg zu Fuss runter gelaufen. Mit dem Gepäck,
dem eigenen Gewicht ist es auch bergab auf dem rutschigen Weg kein Spass.
Die letzten Kilometer nach Montezuma sind so steil, dass wir uns fragen wie
wir hier wieder hoch fahren sollen.
Die Woche um Weihnachten und Silvester ist auch in Costa Rica eine beliebte
Ferienwoche. Die Hotels im Dorf sind ausgebucht. GlĂĽcklicherweise finden wir
ausserhalb ein schönes Häuschen mit Terrasse, Garten und Ausschicht auf den
Pazifik. Im Garten können wir im Schaukelstuhl sitzend schon einmal die
Vielfalt der Pflanzen- und Tierwelt bewundern, wie z. B. einen Waschbär,
einen Ameisenbär und einige Eichhörnchenartige Nagetiere.
Sie sind nicht zahm, sobald ich mich ihnen nähere um ein Foto zu machen,
sind sie verschwunden.
Montag, 29. Dezember 2003 | Montezuma
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Costa Rica, reiche KĂĽste, macht seinem Namen alle Ehre.
Es ist ein Genuss
faulenzend vor sich hinzuschauen und die Tiere stellen sich abwechselnd
selbst vor. Nur einige Schritte und man sieht die schönsten Pflanzen.
Manchmal fährt man aber auch erschreckt hoch. Erst ist alles ruhig, dann auf
einmal ein Gebrüll. Die Brüllaffen, wenn sie sich gestört fühlen brüllen sie
wie wild los, aber sie bleiben zum Glück in den Bäume
Dienstag, 30. Dezember 2003 | Cobano – Jabilla (Playa San Miguel)( 48 km)
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Bis jetzt eine meiner schönsten Radtouren.
Aber auch ein Tag mit viel Pech.
An Dagmars Rad reisst die Kette, die ich vor 2 Jahren auf Cuba an Silvester
mit einem Click-Fix repariert habe. Mit einem neuen Click-Fix ist sie aber
schnell wieder in Ordnung.
Die Route, die wir heute fahren, steht in nicht in allen Karte eingezeichnet.
Jetzt weiss ich auch warum. Zu Beginn fantastisch grüne Wiesen und Wälder in
der kĂĽhlen Morgensonne. Der Weg fĂĽhrt ĂĽber die Gipfel eines BergrĂĽckens,
manchmal gibt es steile Anstiege. Der Weg ist in schlechtem Zustand, in der
Regenzeit sicher nicht mit dem Rad befahrbar.
Wir sehen viele bunte Vögel, Schmetterlinge und Blumen. Dann und wann einen
4 WD oder ein Crossmotorrad.
Irgendwann stehen wir vor einem Fluss, wo der Weg weitergeht ist nicht
ersichtlich. Ich fahre ein StĂĽck zurĂĽck um einen Bauern, der mit seinem Sohn
auf dem Feld arbeitet nach dem Weg zu fragen. Mit Händen und Füssen
verständigen wir uns und ich verstehe, dass wir mit dem Rad auf die andere
Seite gelangen können. Erst ein Stück nach links und dann bei dem kleinen
Wasserfall den Fluss durchqueren. Ich probiere es erst einmal ohne Rad.
Direkt hinter der Biegung sehe ich auch schon den Weg auf der anderen Seite
weitergehen. Dann mal mit dem Rad, die Fahrradtaschen bleiben trocken, das
Wasser ist herrlich kĂĽhl und erfrischend. Dann geht der Weg steil und
glitschig nach oben. Mit Mühe bekommen wir die Räder den Hügel hochgeschoben.
Danach folgen noch 3 FlĂĽsse, aber wir haben ja jetzt Erfahrung und finden
schnell den Weg ans andere Ufer ohne tief durch das Wasser zu waten. Die
Böschungen bleiben schlammig und steil. Auch zwischen den Flüssen gibt es so
steile Anstiege, dass ich regelmässig zurück muss um Dagmar mit ihrem Rad zu
helfen.
Die auf der Karte angegebenen Kilometerzahlen stimmen nicht, statt 22 km
nach Fransico sind es 35. Die Beschilderung ist aber perfekt. An fast jeder
Kreuzung gibt es ein Schild. Und sollten doch Zweifel bestehen, so gibt es
die stets hilfsbereite Bevölkerung.
Heute wollen wir nach Samara, aber während ich mein Rad einen Hügel
hochschiebe, bekommt mein Hinterrad einen Platten. Ein Riss. Wir
beschliessen ein StĂĽck zu laufen und am Strand ein Hotel zu suchen. Dort
wechsel ich den Hinterreifen.
Mittwoch, 31. Dezember 2003 | Jabilla – Playa Pelada (72 km)
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Nicht nur Weihnachten waren alle Hotels voll. Auch Silvester fahren wir
einige Stunden durch die brennende Sonne um eine Übernachtungsmöglichkeit zu
finden. Alles ist voll, doch hat man mit Radfahrern Mitleid. Ein
Hotelbesitzer hat einen Bekannten, der frĂĽher Zimmer vermietete.
EinTelefongespräch und der Mann holt uns mit seinem Pick-Up ab.
Mitten in einem Wald haben wir nun ein wunderschönes Zimmer, aber es gibt
nicht zu essen und trinken.
Der freundliche Amerikaner, der fast akzentfrei
Deutsch spricht, bringt uns mit seinem Auto zu einem Restaurant und nennt
uns eine Abkürzung über den Strand, den “Affenweg” zurück zum Haus.
Es war mal wieder ein sehr heisser Tag, viele HĂĽgel, die wir sowohl bergauf
als auch bergab gelaufen sind.Die Schotterwege sind so steil, dass es
gefährlich ist mit Gepäck bergab zu fahren, man rutscht so weg. Wieder haben
wir einige FlĂĽsse durchquert, was jedoch immer wieder eine angenehme
Erfrischung ist. Zum Schluss hatte ich dann auch noch einen Platten.
Donnerstag, 1. Januar 2004 | Playa Pelada – Pagros (57 km)
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Das neue Jahr beginnt gut. 3 Platten an meinem Hinterrad. Den
Jahreswechsel haben wir schlafend erlebt, sind nur kurz durch das Feuerwerk
aufgewacht und direkt wieder eingeschlafen.
5 Minuten von unserer Unterkunft ist ein Hotel, dort hatte der freundliche
Pensionwirt fĂĽr uns ein Silvesteressen organisiert.
An einer langen Tafel
mit vielen Amerikanern und einigen Niederländern geniessen wir unsere letzte
Mahlzeit in 2003. Das Essen ist gut, aber wir sind zu mĂĽde um bis 0.00 Uhr
durchzuhalten.
Diesmal durften die Räder nicht mit ins Zimmer, so mussten sie gut
abschlossen draussen bleiben. Wenn man dem Amerikaner glaubt, haben die
Costaricaner (Tico`s) ein sehr eigenartiges Verständniss von Meins und
Deins. Alles wobei sie nicht erwischt werden ist fĂĽr sie in Ordung, sei es
Stehlen oder andere illegale Dinge. Das ist das 2. Mal, dass ein Amerikaner
dieses erzählt.
Ein bisschen schlauer von den Erlebnissen des letzten Tages, halten wir
einige Kilometer vor der KĂĽste
bei einem Restaurant. Der EigentĂĽmer ruft fĂĽr uns einige Hotels, die im
Lonly Planet aufgefĂĽhrt sind, an.
Alles voll! Ein StĂĽck weiter gibt es Cabanas, die noch Platz haben. Der Wirt
lässt sich das Telefongespräch nicht bezahlt .
Freitag, 2. Januar 2004 | Pargos – Liberia (89 km)
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Die Hitze ist mörderisch, 35 Grad im Schatten, in der Sonne mindestens 40
und das auf frischem, tiefschwarzem Asphalt. Die letzten 40 km fahren wir
auf einer flachen, asphaltierten Strasse. Hitze von oben und unten,
begleitet von einer kräftigen Brise, die uns entgegen bläst. Todmüde und
erschöpft kommen wir im Hotel an.
Unterwegs haben wir einen Deutschen getroffen, der hier bei einer Firma
arbeitet, die Fenster nach europäischen Standard verkauft und einbaut.
Anscheinend ein gutes Geschäft, die reichen Einheimischen und die Ausländer
lassen sich diese Fenster in ihre Häuser an der Küste einbauen. Selbst die
Amerikaner sind wohl über die Qualität erstaunt.
Mit seinen Tico-Arbeitskollegen ist er nicht so zufrieden, sie leben heute
und planen nichts, für einen Betrieb unmöglich, aber als Lebensweise finde
ich es doch angenehmer als unsere.
Hitze, wir treffen auch noch 2 Niederländer mit Rädern, sie kommen von
Norden, sind einen Woche unterwegs und ziemlich blass. Dort hat es die ganze
Woche geregnet und ein starker Wind geweht, sie sind froh Sonne zu sehen.
Samstag, 3. Januar 2004 | Liberia
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Der kräftige Wind ist zu einem Sturm angewachsen, mit einem bangen Gefühl
denken wir an morgen. Wenn der Wind nicht dreht, haben wir ihn morgen direkt
gegen uns. In der Stadt haben wir noch einige Schläuche gekauft, Reifen mit
unserem Mass haben sie hier nicht.
Sonntag, 4. Januari 2004 | Liberia – Hacienda Inocentes (72 km)
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Die Carretta Interamericana ist die Durchgangsstrasse von Nord- nach
SĂĽdamerika und laut ReisefĂĽhrer stark befahren. Heute, sonntags ist es
ausgesprochen ruhig. Auf über 50 km sind uns höchstens 30 Laster begegnet.
Der noch immer starke Wind kann sich nicht entscheiden, ob er fĂĽr oder gegen
uns ist. Nach 50 km biegen
Wir nach rechts ab, frontal gegen den Wind.
Wir wollen zur NordkĂĽste und
müssen über die Berge, so haben wir diese letzte Möglichkeit vor der Grenze
zu Nicaragua gewählt, da sie uns als flachste Route erschien.
Abundzu regnet es, glĂĽcklicherweise ist es auch nicht mehr so warm.
Wir übernachten auf einer Hacienda mit Hotel. Ein schöner Fleck mitten in
der Natur. Viele schöne Pflanzen und Tiere gibt es zu sehen.
Montag, 5. Januar 2004 | Hacienda Inocente – San Rafael de Guesteso (108 km)
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Heute fĂĽhrt uns unsere Route durch Orangenplantagen und Regenwald. Und ja,
im Regenwald regnet es nunmal, nicht gerade wenig. Dicker Nieselregen, aber
es ist nicht kalt und wir fahren wie immer mit kurzer Hose und T-Shirt.
Viele unserer Zimmerpflanzen wachsen am Strassenrand, die Bromelien in den
Bäumen sind wohl gerade verblüht.
Die ersten 12 km Asphalt, dann geht es hinter Santa Cecilia 21 km ĂĽber einen
grässlichen Sandweg.
Der Sand ist nass und klebt, dazwischen grosse, glatte Steine. Wir glitschen
ein paar Stunden ĂĽber dieses StĂĽck.
Dann holt uns ein Grenzpolizist von der Strasse, die parallel zur Grenze mit
Nicaragua verläuft. Er möchte unsere Namen wissen und wo wir herkommen.
Stolz nennt er uns die Hauptstädte von den Niederlanden und Deutschland.
Angehalten hat er uns nur um sich die Zeit zu vertreiben und uns die
Gelegenheit zu geben, uns unterzustellen. Es schĂĽttet wie aus Eimern, als es
wieder trocken ist, dĂĽrfen wir gehen.
Danach ist der Weg fĂĽr uns wieder gut befahrbar, ein Autofahrer empfindet
das sicher anders, aber wir fahren einfach um die grossen “Schlaggruben”
herum. Nach 68 km erreichen wir Upale, auch hier versuche ich einen Reifen
zu kaufen, aber sie haben nur 26 Inch fĂĽr Mountainbikes. Da in Upale auch
nicht viel los ist, fahren wir noch 40 km weiter bis nach San Rafael.
Unterwegs viele Wälder und Äcker, die Vielfalt der Vögel und Schmetterlinge
erstaunt uns immer wieder.
Dienstag, 6. Januar 2004 | San Rafael de Guesteso – La Fortuna (48 km)
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Von San Rafael geht ein Schotterweg hoch zum See von Arenal. Die
Niederländer mit denen wir sprachen haben 5 Stunden bergab gebraucht. Grosse
runde Steine machten das Radfahren unmöglich. Auch die lokale Bevölkerung
bestätigt, dass dieser Weg sehr steinig ist. Deshalb und weil die Gipfel
schon seit Tagen in den Wolken liegen beschliessen wir ĂĽber eine andere
Route nach La Fortuna zu fahren.
Vor 10. 00 Uhr sind wir schon in La Fortuna. Der Vulkan Arenal, einer der
Höhepunkte einer Costa Rica-Reise ist wegen der tiefhängenden Bewölkung
nicht zu sehen. Noch schlimmer, es gibt gar keine Berge zu sehen. Der Norden
von Costa Rica, so lese ich, hat weder Trockenzeit noch Regenzeit, sondern
nur nass und nasser. Sichtbar gut fĂĽr die Vegetation.
Mittwoch, 7. Januar 2004 | La Fortuna – La Virgen (90 km)
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Ein bisschen Komfort in der Wildniss, dass gefällt mir gut. Gestern im
Touristenort La Fortuna gab es nichts zu tun und zu sehen.
Heute sind wir in La Quinta Sarapigui. Kleine Bungalows, mit ĂĽberdachter
Veranda und Hängematten, an einem Fluss im Regenwald. Und regnen tut`s.
Schon 2 Stunden, wie aus Eimern. Alle Wege zu den Bungalows sind ĂĽberdacht.
Sie sind hier gut vorbereitet.
Heute morgen sind wir im strömenden Regen los, da es rundherum grau war.
Warten hatte keinen Sinn. Nach einer halben Stunde und einigen 100
Höhenmetern tiefer war es wieder trocken. Angenehm kühl und leicht bewölkt.
Nach 8 km stetiger Steigung sind wir in Aguas Zacas. Hier regnet es wieder.
In einer Panarida essen wir ein gefülltes Brötchen. Lecker. Man warnt uns
die Räder nicht aus den Augen zu lassen.
Es regnet weiter, wir fahren weiter. Dann ist es wieder trocken. Die
nächsten 24 Kilometer nach San Miguel sind asphaltiert und gespickt mit
kleinen steilen Hügeln. Zu schön, wenn es nicht regnet. Abundzu gibt es
einen kräftigen Guss, gegen den Wind ist es nur noch durchhalten und
weiterstrampeln.
Unterwegs gibt es viele Übernachtungsmöglichkeiten ( Vuelta de Kopper,
Venecia, La Virgen).
In San Miguel treffen wir wieder die Niederländer, die wir an unserem 1.
Tourtag getroffen haben. Sie fahren Costa Rica links herum, wir rechts herum.
Die weibliche Hälfte ist nicht 100% fit, deshalb sind sie mit einem Taxi
unterwegs, dass sie auf 2000 m Höhe bringt. Samstag fliegen sie zurück in
die Niederlande.
Unterwegs sehen wir einen botanischen Garten. Wir mĂĽssen lachen, Costa Rica
ist ein botanischer Garten.
Donnerstag, 8. Januar 2004 | La Quinta Sarapiqui Country Inn
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In dem Garten beim Hotel fliegen einem die Vögel und Schmetterlinge
buchstäblich um die Ohren.
Tiere, die wir nur von Postkarten oder aus dem Zoo kennen. Schön sie zu
betrachten.Heute sehen wir auch den ersten Tukan, aber ehrlichkeitshalber
gebe ich zu, dass die Vögel vom Hotelpersonal gefüttert werden.
Fleissige Ameisen. Ăśberall sieht man 10 cm breite plattgetretene Pfade, wo
Ameisen in die eine Richtung ohne etwas und in die andere Richtung mit einem
Stück Blatt unterwegs sind. Sie schleppen die Blätter zu ihrem Nest, wo dann
darauf Pilze wachsen, die sie als Nahrung benötigen. Kaum vorstellbar, dass
diese kleinen Tiere (Blattschneideameisen) solche “Trampelpfade”
hinterlassen.
Freitag, 9. Januar 2004 | La Virgen – Puerto Limon (Playa Bonita) (151 km)
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Durchhalten. Erst geht es eine halbe Stunde bergab in der Morgenfrische.
Dann in Puerto Viejo rechts ab, Dagmar`s Kette ist mal wieder gerissen.
Nerven behalten, diesmal geht es nicht so leicht, aber nach einer halben
Stunde fahren wir wieder.
Von Puerto Viejo geht es 40 Kilometer langsam bergauf bis nach Santa Clara,
eigentlich nur eine Kreuzung. Hier geht es links Richtung Puerto Limon auf
der 34.
Dies ist die Verbindungsstrasse zwischen der Hauptstadt San Jose und
der einzigen Hafenstadt an der Karibischen KĂĽste, Puerto Limon. Stark
befahren, also durchhalten. Viele Laster (Dole, Delmonte) rasen sowohl in
die eine als auch die andere Richtung an uns vorbei. Es macht keinen Spass
hier zu fahren, doch die Strasse ist gut und nur leicht hĂĽgelig. Eigentlich
wollten wir in Siquirris ĂĽbernachten, als wir aber schon um 12.00 Uhr da
sind, die Stadt nichts zu bieten hat und es leicht bewölkt ist, beschlissen
wir heute noch bis zur KĂĽste zufahren. Durchhalten.
Laut Lonely Planet gibt es in Siquirris nur einige einfache Pensionen, aber
hinter der Kreuzung, rechts, an der Hauptstrasse, bei einer BrĂĽcke gibt es
ein Hotel mit Cabanas. Sieht von aussen gut aus. Unterwegs gibt es noch
einige Übernachtungsmöglichkeiten.
Hier treffen wir die Niederländer, die wir auf Schiphol kennengelernt haben.
Wir quatschen ein bisschen, tauschen Informationen aus und fahren weiter.
Samstag, 10. Januar 2004 | Playa Bonita
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Playa Bonita sieht ziemlich runtergekommen aus. Villa-Komplexe werden zum
Kauf angeboten. Unser Hotel hat die beste Zeit auch hinter sich. Samstags
ist der Strand gut besucht. Einheimische und Touristen von dem
Kreuzfahrtschiff, das im Hafen liegt.
Anfangs soll es 70 Dollar pro Person kosten, dann 50, dann 60. Schliesslich
bezahlen wir 50 Dollar fĂĽr eine Bootstour auf dem Kanal von Tortuguero.
Giethoorn im Dschungel. Sehr beeindruckend. Wieder diese wunderschöne Natur.
Eine tolle Bootstour, Krokodile und Faultiere hatten wir bis jetzt noch
nicht gesehenen.
Um 6.00 Uhr sind wir zum Hafen gefahren und haben den scharchenden Wachmann
geweckt:” Es ist noch zu früh für eine Bootstour kommen sie so gegen 7.00
Uhr zurück”. Also zurück zum Hotel, frühstücken und per Anhalter wieder
zurĂĽck zum Hafen. Da mieten wir fĂĽr uns allein ein kleines Motorboot mit
FĂĽhrer. Tipp: Geh selbst zum Hafen, buche nicht ĂĽber das Hotel, kostet
genausoviel, aber man sitzt mit mindestens 20 Personen im Boot. Und man
fährt erst um 10.00 Uhr los. Als wir gegen 13.00 zurückfahren kommen uns zig
mit Touristen vollgeladene Boote entgegen. Sie streiten sich um den besten
Platz um die Faultiere zu sehen.
Der Kanal von Tortuguero ist zum Teil kĂĽnstlich angelegt, besteht aber auch
zu einem grossen Teil aus natürlichen Lagunen. Er verläuft parallel zur
Karibischen KĂĽste und bietet den Fischern eine sichere Fahrt entlang der
KĂĽste.
Unsere Radtour geht langsamer vorwärts als geplant. Geplant? Eigentlich
haben wir nichts zuvor festgelegt. Unsere Planung war die Nord- und SĂĽdkĂĽste
von Costa Rica, sowie den Panama-Kanal zu sehen. Aber jetzt bin ich mir
nicht sicher ob wir es bis Panama City schaffen.
Sonntag, 11. Januar 2004 | Playa Bonita – Puerto Viejo (69 km)
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Die Strasse von Puerto Limon nach Puerto Viejo ist gut asphaliert und flach.
Grösstenteils fahren wir in Küstennähe bei leichter Bewölkung. So sind wir
auch in Nullkommanichts an unserem nächsten Aufenthaltsort an der
Karibischen KĂĽste. Nachdem es den ganzen Morgen trocken war, regnet es jetzt
den ganzen Mittag.
Montag, 12. Januar 2004 | Puerto Viejo – Bocas del Toro (95 km)
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Das ist der Weg zum Ende der Welt. Die 45 Kilometer bis zur Grenze mit
Panama fahren wir ĂĽber einen extrem breiten, aber auch extrem schlechten
Weg.
Je näher wir der Grenze kommen, desto schlechter wird der Weg. In
Sixola, dem GrenzĂĽbergang, muss man vor der EisenbahnbrĂĽcke aus Costa Rica
ausschecken, ĂĽber die BrĂĽcke gehen und in Panama wieder einreisen. Geht
ziemlich schnell, man macht keine Umstände.
In Panama ist der Weg besser. So wie in Costa Rica fahren wir durch eine
riesige Bananenplantage, diesmal Chiquita. Durch eine EU-Regelung, mehr
europäische Bananen in Europa zu produzieren, sind hier viele Menschen
arbeitslos geworden.
Die Beschilderung ist in Panama sehr schlecht. Wir folgen dem Verkehr,
fahren falsch und fragen mehrmals nach dem Weg.
Nachdem wir den Weg nach Almirante gefunden haben, folgt gleich eine
Ăśberraschung. Wieder eine EisenbahnbrĂĽcke, diesmal auf einer Hauptstrasse.
500 Meter lang, ĂĽber einen Fluss. Nur eine Fahrbahn. Mehrere Holzplanken
fehlen, an den Seiten ist genĂĽgend Platz um mit samt dem Rad durchzufallen.
Dann mal laufen.
Hinter mir fährt der Verkehr im Schritttempo. Die zweite
Ăśberraschung: steile Anstiege, jedesmal wenn wir denken den Gipfel erreicht
zu haben, folgt der nächste Hügel und das in der brennenden Sonne. Später
erfahren wir, dass wir auch in Changuinola ein Wassertaxi hätten nehmen
können. Dieses fährt bei der Finca 16 ab. Sicher die Mühe des Nachfragens
wert.
In Almirante suchen wir das Boot nach Bocas del Toro. Ausgeschildert ist es
nicht, so lassen wir uns von einem jungen Mann mit Rad zum Anlegeplatz
bringen. Drei Dollar pro Person, anderthalb fĂĽr das Rad. Eine halbe Stunde
warten und dann geht es Richtung Isla Colon. FĂĽr mein GefĂĽhl fahren wir viel
zu schnell mit dem vollgeladenen Polyesterboot und den grossen Wellen.
Das
Boot schlägt bei jeder Welle hart auf. Warum? Neben dem Bootsführer sitzt
seine Freundin, auf die will er vermutlich Eindruck machen. Wir kommen
trocken an. Bekommen das letzte Zimmer im Hotel. Isla Colon ist ein
Rucksacktouristenparadies.
Der erste Eindruck von Panama. Die Stadt sieht wohlhabend aus, volle
Geschäfte. Aber ausserhalb der Städte ist es viel ärmer als Costa Rica.
Viele Menschen leben in Pfahlbauten, worunter nackte Kindern spielen und
Schweine leben. Wir sehen auch Menschen die Abfalleimer nach Essbarem
durchsuchen.
Dienstag, 13. Januar 2004 | Bocas del Toro
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Heute ein GlĂĽckstag. Ein Ruhetag ohne Regen. Den ganzen Tag verbringen
wir am Strand. Bocas del Drago, ein Strand an der anderen Seite der Insel.
Eine schöne Route (17 km) durch eine wunderschöne Natur. Der Strand ist in
dieser Jahreszeit nicht breiter als 2 Meter. Im März und April scheint der
Strand grösser zu sein.
Was ist die Welt doch klein, hier treffen wir Peter aus Frankfurt wieder.
Ihn haben wir Neujahr an der SĂĽdkĂĽste getroffen.
Wir haben nicht mehr soviel Zeit, wo wir nun schon in der Nähe des
Panama-Kanals sind wollen wir ihn auch sehen. Wir buchen einen Inlandsflug
nach Panama City. Morgen ist alles voll, dann eben einen Tag später. 57,75 $
pro Person, pro Rad 5$ (später dann doch 12$).
Mittwoch, 14. Januar 2004 | Bocas del Toro
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Der Tag beginnt mit Regen, es schĂĽttet wie aus Eimern.Danach ist es leicht
bewölkt, ein schöner Tag um die noch von Touristen verschonten Strände an
der OstkĂĽste zu besuchen.
Donnerstag, 15. Januar 2004 | Bocas del Toro – Panama City (per Flugzeug)
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Der Flug nach Panama City hat eine Stunde Verspätung, ansonsten geht alles
in dem kleinen Flugzeug gut. Auf der linken Seite des Flugzeuges hat man bei
der Landung eine gute Sicht auf den Panama Kanal.
Verkehrschaos in Panama City. Wir fragen mehrmals die freundlichen Polzisten
nach dem Weg. Trotzdem haben wir MĂĽhe unser Hotel zu finden. Ein Kleinbus
fährt neben uns, der freundliche Fahrer fragt uns woher wir kommen. Nachdem
ich geantwortet haben , rufe ich:” Avenida Peru!?”
“Follow me!” ruft er. Mit Warnblinklicht fährt er langsam vor, sodass wir
nach 10 Minuten unser Hotel in der Avenida Peru finden.
Mittags suchen wir nach dem ReisebĂĽro, welches eigentlich im Hotel sein
sollte. Gibt es nicht mehr. FĂĽr Individualtouristen ist es schwierig sich
hier zurecht zu finden. Wir verhandel mit einem Taxifahrer. Für 40$ fährt er
uns den ganzen Nachmittag mit seiner Limousine durch die Stadt.
Zuerst besuchen wir die Miraflora Locks. 4 Schleusen im Kanal zum
Pazifischen Ozean. Besonders beeindruckend ist, wie die wirklich riesigen
Schiffe, mit ganz wenig Spielraum zu beiden Seiten, von 4 Lokomotiven durch
die Schleuse gezogen werden.
Danach besuchen wir das alte Panama City. Wirklich alt und verfallen. FrĂĽher
wohnten hier die Reichen, jetzt sicher nicht. Im Schritttempo fahren wir mit
dem Nachmittagsstau durch die Stadt. Wir machen noch einen kleinen Bummel in
einer Einkaufsstrasse und was ist die Welt doch klein, zum 3. Mal treffen
wir Peter aus Frankfurt mit seinem Rad.
Freitag, 16. Januar 2004 | Der Panama Kanal
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Wir stehen frĂĽh auf, da wir mit dem Touristenzug, der entlang dem
Panama Kanal fährt, nach Colon an der Karibischen Küste wollen.
Genauso wie
gestern, hat auch heute der Taxifahrer Probleme den Bahnhof zu finden.
Dreimal muss er nachfragen. Nachdem ein Erdbeben alles vernichtet hatte, ist
der Bahnhof und die Verbindung nach Colon erst wieder seit 2001 in Betrieb
und wird hauptsächlich für touristische Zwecke genutzt. In unserer
Unwissenheit kaufen wir ein Ticket hin und zurĂĽck fĂĽr 35 $ pro Person. Um
7.15 Uhr fährt der Zug los.
In einem durch Aircondition eiskaltem Panoramawagen fahren wir durch
Dschungel und Sumpf. Den Kanal selbst sieht man nur gelegentlich. Trotzdem
ist der Ausflug ein Erlebnis. Die Reise dauert eine Stunde und in Colon
erfahren wir, dass der Zug erst um 16.30 Uhr zurückfährt. Damit hatten wir
nicht gerechnet. Glaubt man den Büchern ist Colon eine gefährliche Stadt,
was sollen wir hier die ganze Zeit tun?
Zusammen mit einigen Mitreisenden mieten wir ein Taxi um etwas von der Stadt
zu sehen. Der Taxifahrer ist ein guter Erzähler. Er sagt, dass die Stadt arm
ist, aber jeder der arbeiten möcht auch Arbeit findet. Die Stadt sieht
runtergekommen aus. Das Geld, welches als GebĂĽhr fĂĽr die Benutzung des
Kanals zu entrichten ist, kommt sicher nicht dieser Stadt zu Gute. Nach
einer Stunde haben wir es gesehen und fahren mir dem Bus zurĂĽck. Dauert
etwas länger kostet dafür aber auch nur 2$ pro Person.
Webcam auf der Kanal.
Wussten Sie das?
Der Panama Kanal
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Nach 2 fehlgeschlagenen Versuchen der Franzosen, der
Kanal 1914 nach 10 Jahren Arbeit durch die Amerikaner geöffnet wurde.
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Panama und Amerika teilten in den ersten Jahren den
Gewinn.
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Der 80 Kilometer lange Kanal, sowie 40 Kilometer links
und rechts des Kanals amerikanischer Grundbesitz war.
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Am 31. Dezember 1999 wurde der Kanal von Amerika an
Panama ĂĽbertragen.
-
Im Jahr 2002 13.185 Schiffe durch den Kanal gefahren
sind und zusammen 589 Millionen Dollar an NutzungsgebĂĽhr gezahlt haben.
-
Ein mittleres Schiff 30.000 Dollar und ein grosses
Kreuzfahtschiff 150.000 Dollar an GebĂĽhr bezahlt.
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Der niedrigste Tarif ist 36 Dollarcent; er wurde von
einem Kanalschwimmer bezahlt.
-
Beim Bau von grossen Schiffen wir damit gerechnet, dass
sie in die Schleusen des Panama Kanals passen.
-
Das längste Schiff, welches den Kanal passierte war 299
Meter lang. Das breiteste 32,91 Meter.
-
Die Schleusen sind alle gleich, 305 Meter lang und 33,50
Meter breit.
-
Der Kanal der einzige Platz auf der Welt ist, wo auch
Kriegschiffe das Kommando abgeben mĂĽssen.
-
Um die Schleusen nicht zu beschädigen, werden die
Schiffe von vier, sechs oder acht Lokomotiven, je nach Grösse des
Schiffes durch die Schleusen gezogen.
-
Es im Mittel 24 Stunden dauert bis ein Schiff den Kanal
passiert hat. Die Wartezeit auf einem der Ozeane inbegriffen. Die
Durchfahrt dauert 8 bis 10 Stunden.
-
Es gibt sechs Paar Schleusen. Beide Richtungen können
zugleich benutzt werden.
-
Die Schleusen 26 Meter Höhenunterschied überwinden.
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Der grösste Teil des Kanals nicht gegraben ist, aber aus
Stausee besteht.
Samstag 17. Januar 2004 | Panama City – Santa Clara (115 km)
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Die lebensgefährliche Interamericana ist heute etwas ruhiger als
erwartet. Trotzdem ist grosse Vorsicht geboten. Respekt sollte man vor den
vorbeirasenden LKW`s haben. Sie haben immer Vorrang. Es sind weniger
Lastwagen als gedacht unterwegs. Nur in der Umgebung von Panama City und auf
der BrĂĽcke ĂĽber den Kanal ist viel Verkehr. Keine Randstreifen, auf der
anderen Seite des Kanals sehen wir einen schmalen Fussweg, aber wie man auf
ihn gelangt, ist nicht zu sehen.
10 Kilometer ausserhalb von Panama City beginnt die Autopista. Vier
Fahrbahnen mit einen Randstreifen von 1 bis 2 Metern. Meistens gut zu fahren,
ab und zu Glassplitter und MĂĽll. An den zahlreichen BrĂĽcken muss man
aufpassen, hier fehlt der Randstreifen.
2 Kilometer sĂĽdlich der hektischen Interamericana finden wir an der
Pazifischen Küste Strände, wie wir sie uns vorgestellt haben. Lang, breit,
weisser Sand, Palmen und ein erfrischender Wind. Und als I-TĂĽpfelchen ein
Hotel mit einem guten Restaurant.
Gut? Wir essen nach Uhrzeit, nicht weil wir hungrig sind. Bei dieser Hitze
hat man kaum Hunger, nur Durst. Aber nichts essen heisst auch nicht
radfahren. Deshalb wĂĽrgen wir 2 Mahlzeiten am Tag durch die Kehle, es
schmeckt gut, aber Hunger haben wir nicht. Das Essen in Costa Rica und
Panama ist nicht schlecht, aber dafĂĽr muss man nicht hier herkommen.
Sonntag 18. Januar 2004 | Santa Clara – Santiago ( 138 km)
|
Es ist beinahe unmöglich in dieser Hitze zu fahren.Man hat uns gewarnt, dass
Panama noch heisser als Costa Rica ist. Um 10.00 Uhr treiben Wolken
landeinwärts. Irgendwo spenden sie bestimmt Schatten, nur nicht bei uns.
Wenn wir das GlĂĽck haben unter einer Wolke zu fahren, ist es als wenn man in
einen Kühlschrank fährt, herrlich.
Die ersten 80 Kilometer ist die Interamerica noch 4-spurig mit Randstreifen.
Auf dem Randstreifen liegt viel Unrat. Auf einmal klappert mein Hinterrad.
Ein 3 cm langes StĂĽck Eisen sitzt in meinem Hinterrad, kein Platten, GlĂĽck
gehabt.
Hinter Aguadulce wird die Strasse immer schmaler, 2-spurig, ohne
Randstreifen. Jetzt wird es gefährlich.Ich schaue viel nach hinten. Kommen
Auto`s von vorn und hinten, nichts wie in den GrĂĽnstreifen. Geht aber auch
nicht immer, da der Asphalt manchmal 10-15 cm höher ist. Da kann man dann
nur hoffen, dass es gut geht. Abundzu wird es wieder 3-spurig, da fährt man
wieder etwas entspannter. Heute kein Spass! Oft gucken wir uns an und fragen
uns ob das Ferien sind. Entlang der gesamten Interamericana sind Baustellen,
in ein paar Jahren ist diese Strasse bestimmt ĂĽberall 4-spurig.
Montag, 19. Januar 2004 | Santiago – David (Bus)
|
Panama ist nicht wirklich ein Land fĂĽr Radfahrer. Die Interamericana ist
2-spurig sehr schmal. Gerade genug Platz dass 2 Auto`s aneinander vorbei
können. Da gibt es dann für Räder keinen Platz mehr. Die 70 Kilometer auf
der 2-spurigen Strasse gestern haben gereicht, heute nehmen wir den Bus nach
David. Das Rad kostet 6$, fĂĽr 5$ darf man selbst auch noch mit. Es sind 200
Kilometer, die Fahrt dauert 3 Stunden. Der gesamte Abschnitt ist 2-spurig.In
David fahren wir zu dem Hotel, das wir ausgesucht haben. Unterwegs fragt uns
ein Mann mit einem grossen 4WD was wir suchen.Das Gran Hotel, antworte ich.
Follow me. Scheint der Manager zu sein. Spezialer Preis fĂĽr uns. Scheint
auch noch zu stimmen, wenn man einen Blick auf die Preisliste wirft
Dienstag, 20. Januar 2004 | David – Rio Claro (91 km)
|
Ich habe noch nirgends einen so unĂĽbersichtlichen, unordentlichen, kaum
wahrzunehmenden GrenzĂĽbergang gesehen. Von David kommend ist der Grenzposten
Panamas ca. 20 Meter rechts einen Weg hinein. Freundliche Einwohner sehen
meine Verwirrung und schicken mich in die gute Richtung. Zuerst bekommen wir
einen Stempel fĂĽr 1 Dollar pro Person. Dann mĂĽssen wir zum Schalter fĂĽr die
Ausreise aus Panama und dann zum Schalter fĂĽr die Einreise nach Costa Rica.
Es gibt keine Beschilderung, die darauf hinweist wo sich der Grenzposten
befindet.
Auch in Costa Rica ist das nicht besser. Anhand der vielen Taxen mit
Kennzeichen Costa Rica bemerke ich, dass wir die Grenze passiert haben.( Es
gibt keinen öffentlichen Verkehr über die Grenze). Zufällig sehe ich neben
einer Bank eine Menschenschlange vor einem Schalter. Einreiseschalter
gefunden!
Es ist durchaus möglich die Grenze ohne diese Formalitäten zu passieren.
Keine Schranken, keine Kontrolle. Aber auf beiden Seiten, einige Kilometer
landeinwärts gibt es Polizeikontrollen. Sogar wir als Radfahrer müssen
unsere Pässe vorzeigen.
In Costa Rica kann man wieder wunderbar auf der Interamericana fahren.
Zweispurig, aber breiter und viel ruhiger. Der Urwald reicht bis an den
Strassenrand, gibt eine angenehme KĂĽhle ab und spendet uns Schatten
Mittwoch, 21. Januar 2004 | Rio Clara – Uvita (96 km)
|
Wunderschön hier zu fahren, der Urwald berüht die Strasse, herrlich
sattgrüne Pflanzen und Bäume. In den Tälern hängt ein leichter Nebel. Wir
geniessen es in der KĂĽhle des Morgens unterwegs zu sein. Die Hauptstrasse
bietet eine fantastische Aussicht und es ist sehr ruhig. Regelmässig rauscht
ein Bach oder wir ĂĽberqueren einen Fluss. Es gibt viel zu sehen. Viel
Abwechslung. Gegen 10.00 Uhr holen uns die ersten LKW`s ein. Die Grenze
öffnet erst um 7.00 Uhr. Kurze Zeit später verlassen wir die Interamericana
bei Palma Norte und fahren an die Pazifische KĂĽste.
Von Palma Norte sind es ĂĽber die Hauptstrasse nur noch 255 Kilometer bis San
Jose. Doch wir entscheiden uns fĂĽr den Umweg entlang der KĂĽste.
Zwischen Rio Clara und Palmar Norte haben wir 2 Übernachtungsmöglichkeiten
gesehen. Nach 22 Kilometern ein B&B und nach 44 km Cabanas.
Donnerstag, 22. Januar 2004 | Uvita – Quepos (72 km)
|
Im Zeitlupentempo kriecht ein Faultier mit Baby auf dem RĂĽcken ĂĽber
unseren Weg. Es gibt ziemlich viel Verkehr auf dieser Strasse. Ein Tico hält
schon Wache und sorgt dafĂĽr, dass es nicht ĂĽberfahren wird. Wir warten auch
bis es sicher auf der anderen Strassenseite im Wald verschwindet.
Bis Dominical ist der Weg breit uns asphaltiert.
Dann folgen 40 Kilometer
über einen flachen staubigen “faustgrosse Kiesel”-Weg. Anfangs prächtige
Natur und Urwald. Die letzten Kilomter durch Ă–lpalmenplantagen. Die
Palmkerne werden zu Ă–l verarbeitet.FĂĽr die weltberĂĽhmte Palmolivseife, aber
auch für Bratfett (Palmin) und Maschinenöl.
Auf diesem Weg gibt es ĂĽberraschend viele LKW`s. Die Fahrer begrĂĽssen uns
freundlich mit Hupen und Winken.
Wir haben Respekt vor ihnen und sie anscheinend vor uns. Doch ist das Hupen
oft irritierend, man weiss nie ist es ein Gruss oder eine Warnung. Doch ist
es meistens gut gemeint.
Freitag, 23. Januar 2004 | Quepos
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Nationalpark Manual Antonio. Es ist der kleinste Park von Costa Rica,
aber wie man sagt auch der Schönste. Wir sind frühmorgens kurz vor der
Ă–ffnungszeit (7.00 Uhr) dort. Der Eingang ist nur schwierig zu finden, wenn
noch niemand da ist. Bei Flut wird man mit Booten gebracht, bei Ebbe geht
man einfach zu Fuss ĂĽber der Strand zum Eingang.
Schnell gibt es noch zig andere Besucher. Wir gehen erst zum Mirrador,
Aussichtspunkt, jetzt wo es noch kĂĽhl ist.
Da gibt es glĂĽcklicherweise noch nicht so viele Touristen. Uns begegnen ein
Ameisenbär und einige Affen. Die Strände, Felsen und der Urwald sind
prächtig. Aber wie schon gesagt, ist Cost Rica für uns ein grosser Naturpark.
Als wir von den abgelegenen Teilen des Parks zurĂĽckkommen, ist der Park voll
mit Menschen. Die Affen sind weg, nur ein paar Leguane lassen sich noch
blicken.
Ich glaube, dass die meisten Besucher nicht weiter als bis zum 1.
Strand kommen. Eine mĂĽde aussehende Amerikanerin fragt uns mit einer noch
müder klingenden Stimme: “ What did you see up there?” An ihrem Blick
zusehen soll sie nicht mehr viel vom Park besichtigen.
Der Park wird so stark besucht, dass nur eine maximale Anzahl Besucher am
Tag eingelassen wird. Werktags 600 und am Wochenende 800
Samstag, 24. Januar 2004 | Quepos – Jaco (68 km)
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Kurze flache Strecke. Anfangs wieder die langweiligen Ă–lpalmplantagen.
Dagmar hat morgen Geburtstag, deshalb haben wir ein etwas schickeres Hotel
ausgesucht. Vor 10.00 Uhr sind wir schon da und mĂĽssen noch bis 12.00 Uhr
warten, bis wir in das Zimmer können. Am Wochenende ist an der Küste kaum
ein Zimmer zu bekommen, deshalb haben wir reserviert, aber die Reservierung
ist anfangs nicht auffindbar. Aber anhand der Kreditkartennummer lässt sich
die Reservierung doch noch finden.
Sonntag, 25. Januar 2004 | Jaco – Esparza (70 km)
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Jaco, wirklich touristisch, ausserhalb der Touristenorte gefällt es mir
besser. Die Menschen sind freundlicher, obwohl man als Gringo doch den
ersten Schritt tun muss. Wenn sie deinen Gruss dann breit lachend
beantwortet haben sind sie freundlich und sehr behilflich
Montag, 26. Januar 2004 | Jaco – Esparza (70 km)
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Die Hitze steht, wir auch, die Beine zittern, wenn wir mal wieder einen
HĂĽgel hochgelaufen sind. Sehr warm, viele kleine, aber steile HĂĽgel. 70
Kilometer ist in dieser Hitze genug. Wir fragen einen Polizisten nach einem
Hotel, glĂĽcklicherweise nur 50 Meter weiter auf der rechten Seite ist eines.
Es gleicht einer Absteige fĂĽr Huren und ihre Kunden. Zugang zum Zimmer durch
die Garage, die durch den Portier, hinter verspiegeltem Glas, geöffnet und
verschlossen wird. Grosse Spiegel an den Wänden. Billig und sauber, gut also.
In Esparza; ein lebendiges Städtchen, gibt es noch 2 Cabanas und an der
Interamericana, ein StĂĽck zurĂĽck, ein Hotel.
Dienstag, 27. Januar 2004 | Esparza – Alajuela ( 70 km)
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In 3 Stunden steigen wir von 100 auf 1800 Meter. Schwer, aber wir bleiben im
Sattel.
25 Kilometer, der Weg ist schmal und es ist viel Verkehr. Ă„usserst
unangenehm. Bis San Ramon zweispurig, danach 3-spurig mit Randstreifen,
Dass ist weniger gefährlich aber immer noch kein Spass. Nach 25 Kilomtern
erreichen wir das Hochplateau und fahren abwärts bis auf circa 1000 Meter
Höhe. Je näher wir in die Umgebung von San Jose kommen, desto mehr Verkehr
gibt es. Auch auf dem Hochplateau gibt es noch einige steile HĂĽgel. Dieser
Teil der Interamericana ist mit dem Rad befahrbar, aber es ist nicht ratsam.
Der letzte Tag auf dem Rad ist wirklich schwer.
Mittwoch, 28. Januar 2004 | Alajuela
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Mit Ausnahme eines kleinen Ausfluges nach Alajuela, einer hektischen, aber
langweiligen Stadt, liegen wir den ganzen Tag am Swimming Pool. Mal einfach
nichts tun.
Donnerstag, 29. Januar 2004 | ZurĂĽck nach Amsterdam
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Wir werden rechtzeitig vom Hotel abgeholt und zum Flughafen gebracht. Pro
Person noch 26 Dollar Flughafensteuer bezahlen und der Rest geht schnell.
Auch in Miami geht der Zwischenstop zĂĽgig. Wir starten pĂĽnktlich und kommen
auch zeitig auf Schiphol an.
Insgesamt sind wir 1840 Kilometer gefahren. Hatten 5 Platten und zweimal
eine gerissene Kette. Sind sehr schlechte, aber sehr schöne Wege gefahren.
Die Bevölkerung ist sehr freundlich. Wenn sie uns sehen, schütteln sie
manchmal den Kopf, zeigen aber doch ihren Respekt fĂĽr unsere Anstrengung.
Costa Rica ist das sicherste Land in Mittelamerika. Das haben wir auch so
erfahren, wir fĂĽhlten uns zu keiner Zeit bedroht.
Für uns war das bis jetzt das schönste Land in dem wir mit dem Rad unterwegs
waren. Wer die Tier- und Pflanzenwelt liebt, dem kann ich Costa Rica nur
empfehlen. Unterwegs, vorallem im Regenwald, sieht man die schönsten
Pflanzen, Vögel und eine Vielzahl von Schmetterlingen. Für die etwas
grösseren Tiere muss man doch eben absteigen und abundzu einen Spaziergang
machen.
Jedoch ist Costa Rica auch ein Land in dem ich die meisten Zäune, Schlösser
und Stacheldraht gesehen habe. Die schönsten Häuser sind häufig kleine
Festungen, viele Hotels haben eine Rundumbewachung, manchmal sogar mit
Waffen. Aber dadurch sollte man sich nicht abschrecken lassen. Gut auf seine
Sachen und sich selbst aufpassen und abends nicht durch dunkle Gassen
schwärmen. Das gilt für jede Stadt, wo auch immer.
Februar 2004
Wim Leeuw
Ăśbersetzung: Dagmar Zobel /Feb. 2005
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